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Pressetext
aus der Ostsee-Zeitung,
Ausgabe Wismar, 07. Januar 2010
Autor: Christel Ros
"Weinberg" gehört zu den Schönsten
Das Restaurant "Zum Weinberg" nahm am Wettbewerb "Historische
Wirtshäuser" teil und kam unter die ersten 40 von 415.
Wismar Das Restaurant "Zum Weinberg" Hinter dem Rathaus gehört
zu den schönsten und erwähnenswerten historischen Wirtshäusern
in Deutschland. Das hat Betreiber Eckard Mixdorf (38) schwarz auf weiß.
Vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland in Bonn. Der hatte nämlich
zum Ende des vergangenen Jahres den Wettbewerb "Historische Wirtshäuser
in Deutschland" zusammen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband
(DEHOGA) ausgerufen. Immerhin folgten auf diesen Ruf hin 415 Bewerbungen
aus ganz Deutschland. Aus Mecklenburg-Vorpommern waren es sechs, davon zwei
aus Wismar. Denn neben dem traditionsreichen "Zum Weinberg" hatte
sich auch das Gasthaus "To n Zägenkrog" am Ziegenmarkt am
Wettbewerb beteiligt. Dieses Gasthaus blickt auf eine über einhundertjährige
Geschichte zurück.
Eckard Mixdorf, der das Restaurant "Zum Weinberg" seit 1994 führt,
seit 1997 als eigenständiges Familienunternehmen, ist stolz, dass "sein"
Haus zu den 40 schönsten und erwähnenswerten gehört.
"Ich finde das ganz toll, das Haus verlangt es auch", sagt er.
Immerhin geht der Ursprung des Gebäudes zurück ins Jahr 1354/55.
Der Dachstuhl ist noch heute erhalten. Das Haus wurde um 1575 im Renaissancestil
erweitert. Hier begründete der aus Holland zugewanderte Weinhändler
Gödert Rotterdam 1648 eine Weinhandlung. Er gab Haus und Geschäft
den Namen "Zum Weinberg". Seine Weinhandlung gehörte zu den
besten der Stadt. Als das Gebäude 1710 umgebaut wurde, entstand ein
sehr beeindruckender Barockgiebel. Und eine goldglänzende Nachbildung
des Weingottes Bacchus über dem Haupteingang begrüßt bis
heute die Besucher.
Erhalten geblieben ist ebenfalls bis heute die Renaissance-Diele, die zu
den schönsten erhaltenen Hausdielen in Mecklenburg zählt. Dass
das Haus in den zurückliegenden 250 Jahren nahezu im Originalzustand
erhalten blieb, ist vor allem dem Kunstsinn der Familie Michaelis zu verdanken.
Ferdinand Gustav Michaelis übernahm am 1. Oktober 1922 die Weinhandlung,
sie blieb 180 Jahre in Familienbesitz und wurde auch als solche geführt.
Lilly Michaelis vermachte nach dem Tod ihrer beiden Söhne das Grundstück
mit allen darauf stehenden Gebäuden der Stadt Wismar. 1953 übernahm
der damalige VEB "Wismaria" das Haus. Es diente den unterschiedlichsten
Zwecken, ehe es 1969 zu einer Weinverkostungsstätte ausgebaut wurde.
Die HO Wismar übernahm 1973 nach umfangreichen Rekonstruktionsmaßnahmen,
die jedoch dem denkmalpflegerischen und historischen Charakter des Hauses
gerecht wurden, die Weingaststätte. "Das Haus ist ,Geschichte
pur ", schwärmt Eckard Mixdorf. Das spürt auch der Besucher,
der die alten Truhen, Bilder und Holzschnittarbeiten sowie die beeindruckende
Renaissance-Decke bewundert.
Neben dem "Weinberg" hat die Jury aus Mecklenburg-Vorpommern außerdem
das Weinhaus Uhle in Schwerin und das Hotel "De Weimar" in Ludwigslust
in die Reihe der Besten aufgenommen. Anliegen des Wettbewerbs war es, die
beeindruckende gastronomische, kulturelle und bauhistorische Vielfalt Deutschlands
aufzuzeigen und den Erhalt dieser Wirtshäuser mehr ins Licht der Öffentlichkeit
zu rücken.
Die ausgewählten Häuser werden in einem Internetportal vorgestellt,
außerdem soll es im Frühjahr eine Siegerehrung geben.